Wie wir unser Land retten: Handlungsempfehlungen für Parteimitglieder
Wir
verstehen, dass die folgenden Handlungsempfehlungen nicht allen
Parteimitgliedern gefallen werden. Manche mögen auf den ersten Blick
unappetitlich und vielleicht sogar unmoralisch erscheinen. Aber was
nützt Anstand, wenn er nur dazu führt, sich klein und bedeutungslos
zu machen? Wir sehen ja, was mit Parteien geschieht, die sich
moralische Fesseln anlegen: Sie verschwinden in der
Bedeutungslosigkeit! Auch in der Politik gilt, dass jeder schauen
muss, wo er bleibt. Angesichts der Aufgaben, die vor uns liegen,
können wir uns kein schlechtes Gewissen leisten. Stellt euch ein
Kalb vor, das genau weiß, was es erwartet, und sich trotzdem ans
Messer seines Schlächters schmiegt und ihn mit feuchten Augen
anschaut. Meint ihr, so ein Kalb hätte Gnade verdient?
Gebt
euch volksnah!
Wir sind die Partei des Volkes. Es hilft
nichts: Wir müssen überall präsent sein. Was glaubt ihr denn, wozu
wir all diese Volksfeste in jedem zweiten Kaff veranstalten? Zeigt
euch, trinkt Bier, esst Currywürste (wichtig: nicht vegan) mit ihnen
und klatscht zur Musik in die Hände. Gebt den Menschen das Gefühl,
für sie da zu sein und ihre Probleme ernst zu nehmen. Hört den
Leuten zu, unabhängig davon, was sie euch sagen. Widersprecht ihnen
nicht. Sagt nicht: Das können wir nicht umsetzen. Gebt ihnen niemals
das Gefühl, dass etwas, was sie umtreibt, unrealistisch oder
irrsinnig ist. Idioten lieben es, sich äußern zu dürfen, ohne
direkt Kritik zu erfahren. Ihr wisst, dass wir sehr
viele Idioten brauchen
werden, um zu siegen!
Wie
wir wissen, ist die Parteibindung im Osten besonders gering.
Nirgendwo sonst werden Fehlschläge bei der nächsten Wahl so hart
abgestraft wie bei uns. Daher müssen wir mehr als eine gewöhnliche
Partei sein, nämlich ein zweites Zuhause (für immer mehr sogar das
erste). Einem Fußballverein bleibt man als Fan treu, auch wenn die
Mannschaft ständig verliert. Man geigt dem gegnerischen Fan die
Meinung und fühlt sich persönlich beleidigt, wenn jemand etwas
gegen die eigenen Farben sagt. Vielerorts gilt schon heute, dass wir
nicht nur Fans, sondern richtige Ultras herangezogen haben, die sich
unsere Fahne ans Fenster hängen und unsere Losungen fleißig
nachbeten. Wir sind auf einem guten Weg.
Lasst
euch nicht auf sachliche Diskussionen ein!
Grundsätzlich
lassen wir uns nicht auf echte Sachdiskussionen ein. Das mag manche
vielleicht überraschen, ist aber absolut entscheidend. Wir
überzeugen niemanden, weil wir jede Nachkommastelle irgendeiner
Statistik auswendig herbeten können, sondern weil wir dieses ganze
Blabla nicht nötig haben. Sprecht lieber von Framing, um euch
unliebsame Fragen effektiv vom Hals zu halten. Unsere Wähler sind
verrückt nach diesem Wort und fühlen sich direkt 20 IQ-Punkte
schlauer, wenn sie es irgendwo hören. Die guten alten Propaganda-,
Hass- und Hetzvorwürfe sind weniger schick, tun ihren Job aber nach
wie vor. Ihr müsst nie befürchten, nicht genug zu wissen. Zu
diskutieren, ist an sich schon der Fehler. Es ist einerlei, was
Altparteien, Systemmedien, sogenannte Experten, Behörden, Gerichte
und NGOs verbreiten. Entscheidend ist nicht, was gesagt wird, sondern
von wem es kommt. Werft Politikern vor, gekauft und nur Marionetten
zu sein! Zerrt jeden biografischen Schmutzkrümel ans Licht, um ihren
Ruf zu ruinieren! Der Verfassungsschutz? Nur ein Mittel, um unseren
unaufhaltsamen Aufstieg zu stoppen! Antifaschisten demonstrieren und
argumentieren messerscharf gegen uns? Macht sie lächerlich mit
KI-Bildern! Lacht über ihre Frisuren! Unterstellt ihnen, keinen
Schulabschluss zu haben und niemals gearbeitet zu haben (wichtig: so
etwas nicht erst recherchieren). Wenn ihr unsere Gegner erfolgreich
in den Dreck gezogen habt, wird es niemanden mehr interessieren, was
sie von sich geben. Es bringt uns nichts, mit sympathischem Gesicht
auf irgendwelchen Bühnen zu hocken und uns argumentativ
auseinandernehmen zu lassen. Inszeniert euch lieber als Opfer von
Hetzjagden, um euren Wählern das Gefühl zu geben, Teil von etwas
Gefährlichem und Verbotenem zu sein! Das lieben sie und kostet uns
praktisch nichts.
Übertreibt
maßlos!
Die
wichtigste Währung unserer Zeit ist Aufmerksamkeit. Eine abwägende,
um Ausgleich bemühte Darstellung wird gnadenlos untergehen. Aber wir
können es uns nicht erlauben, nicht gehört zu werden. Darum gilt:
Die von euch kritisierte Regierung ist nicht einfach schlecht,
sondern die schlechteste, dümmste und korrupteste aller Zeiten!
Macht es zum Skandal, dass der Kanzler nicht schon längst
zurückgetreten ist! Fordert Neuwahlen! Flutet das Netz mit
Petitionen! Erzeugt das dringende Gefühl, dass sich alles sofort
ändern muss, um unser Land noch zu retten! Ist die Wirtschaft
schwach, reicht es nicht, im besorgten Ton darüber zu reden. Malt
die düstersten Bilder an die Wand, die ihr euch nur vorstellen
könnt! Unter dem kompletten Zusammenbruch und der
Deindustrialisierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland solltet ihr
es niemals machen.
Egal,
ob ihr euch auf Überfremdung, Islamisierung, Globalisierung, linke
Meinungsdiktatur, Ausländerkriminalität, Konjunkturflaute,
Sozialabgaben- und Steuerlast, Inflation oder Kriegsängste
spezialisieren wollt: Ihr habt zahllose Möglichkeiten, die ohnehin
schon nervösen Nerven der Menschen in noch größere Unruhe zu
versetzen und für euch arbeiten zu lassen. Zaubert einen bunten
Karneval der Angst in die Hirne der Menschen! Wer Angst hat, fühlt
sich isoliert, einsam, unverstanden, verlassen, gedemütigt und
ignoriert. Doch es ist ein langer Weg, bis jemand an diesem Punkt der
völligen Verängstigung angelangt. Wir geben den Menschen die Hand
und führen sie genau an diesen Punkt. Unsere tätige Mithilfe ist
gefragt, um unsere Wähler so blödsinnig vor Angst und Wut zu
machen, dass sie gar nicht mehr anders können, als uns für die
einzig verbliebene Alternative zu halten. Auch wenn es allen schon
aus den Ohren herauskommt: Wir müssen immer darauf verweisen, dass
alle anderen Partien diese Bedrohungen und Probleme ignorieren (das
ist gesetzt, bitte nicht recherchieren). Dass die Regierung falsch
liegt, ist für uns nicht das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit
ihrer Politik. Es ist die selbstverständliche Voraussetzung für all
unser politisches Agieren. Das hat den Vorteil, dass ihr euch nie
fragen müsst, wie ihr euch positionieren solltet. Die Frage der
Schuld ist immer schon geklärt, sodass euch mehr Zeit bleibt, nach
den passenden Angriffspunkten zu suchen.
Appelliert
an das Schlechte im Menschen!
Der
große Vorteil unserer Partei ist, dass sie niemandem auch nur das
Geringste abverlangt. Wir appellieren nicht an Empathie,
Verantwortungsgefühl, Reife, Solidarität, die Einhaltung des
Grundgesetzes oder des Völkerrechts, christliche Nächstenliebe oder
andere noble Konzepte. Wir sind das Gegenteil einer Verbotspartei.
Bei uns kann jeder der kleingeistige, hasserfüllte, missgünstige
und neidische Mensch sein, der er ist, ohne sich deshalb schlecht
fühlen zu müssen. Die Regenbogenfahne bereitet jemandem
Ekelgefühle? Das zeigt, dass er noch normal tickt! Eine freche
Feministin sollte man am besten verprügeln? Interessante Auffassung,
erzählt uns mehr! Der Führer war einer der größten Staatslenker
seiner Zeit? Spannend! Sie ertragen es nicht, durch eine Straße zu
gehen, wo nur Ausländer sind? Sie müssen es nicht ertragen. Sie
dürfen hassen. Wir haben nichts dagegen, wenn die Bürger die Faust
in der Tasche ballen, und es macht uns auch nichts aus, wenn sie sie
ab und zu mal rausholen. Wird es mal zu toll, sprechen wir ein paar
mahnende Worte, das schon – mit einem Augenzwinkern.
Natürlich
gibt es auch glückliche Menschen, die es nicht als Befreiung
empfinden, ihre ekelhaftesten Regungen endlich politisch ausleben zu
dürfen. Wir sollten keine Zeit darauf verschwenden, sie für uns zu
gewinnen. Sie brauchen uns nicht und wir brauchen keine Mitbürger,
bei denen wir nur Irritation und instinktive Abscheu hervorrufen.
Ignoriert diese Naivlinge einfach. Es gibt genug Fische, denen unsere
Köder hervorragend schmecken. Wichtig ist nur, wer am Schluss lacht.
Versprecht das Blaue
vom Himmel!
Uns ist klar, dass wir mit unserem Wahlprogramm
nicht nur Begeisterung hervorrufen. Auch in unseren eigenen Reihen
nicht. Es stimmt, dass wir unseren Wählern das Blaue vom Himmel
versprechen. Wie sollen ausgewanderte Fachkräfte dazu gebracht
werden, nach Sachsen-Anhalt zurückzukehren? Aus welcher Erde könnten
die „besten Schulen der Welt“ angesichts eines dramatischen
Lehrermangels auf einmal ploppen? Auch die Finanzierung der teuren
Wohltaten für Familien und Betriebe steht in den Sternen. Natürlich.
Seid nicht zu geknickt, wenn man euch vorwirft, nicht rechnen zu
können. Denkt ihr, wir würden ganze Nächte an unseren
Schreibtischen sitzen, um uns über solche Fragen Gedanken zu machen?
Unsere Versprechungen haben einen anderen Sinn. Sie sollen zeigen,
dass wir nur das Beste für unser Land im Sinn haben. Scheitert die
Umsetzung, geben wir dem verrotteten politischen System und den
Altparteien die Schuld daran. Dass wir unseren Anliegen nicht
durchbekommen, wäre also kein Fehlschlag, ganz im Gegenteil. Die
Folgebotschaft muss sein, dass sich in Sachsen-Anhalt nichts ändern
kann, solange wir nicht auch auf Bundesebene die Macht in unseren
Händen halten. Schlucken unsere Wähler diese Kröte, ist es im
Grunde egal, was wir ihnen versprechen und halten. Macht euch keine
Gedanken über Budgets und Zahlen. Überlegt euch lieber schon mal
ein paar schlaue und kreative Gründe, wie wir unsere Gegner für
unser Scheitern verantwortlich machen können.
Lügt
und zeigt Haltung!
Was
wahr ist, entscheiden bei uns nicht irgendwelche Experten,
Professoren, Gerichte oder Behörden, sondern einzig und allein, was
uns Stimmen bringt. Böse Zungen würden behaupten, wir wären
verlogen. Nehmt euch diesen Vorwurf bitte nicht zu Herzen. Wir alle
kommen aus einer Zeit, in der man sich schämte, als Lügner
dazustehen. Unsere Stärke ist aber, dass wir als einzige verstanden
haben, dass diese Zeit unwiederbringlich vorbei ist. Wäre es nicht
idiotisch, nicht zu lügen, wenn uns die Lüge so unendlich viel
weiter bringt, als es die Wahrheit je könnte? Es ist so, als würden
wir ohne Regeln spielen, während die anderen peinlich genau darauf
achten, bloß nichts falsch zu machen. Zittert nicht vor Faktenchecks
oder kritischen Nachfragen. Macht euch lieber Gedanken darüber, wie
ihr euch präsentiert. Haltet euch gerade, streckt die Brust raus,
rasiert euch, kümmert euch um eure Zähne. Ein gut sitzender Anzug,
ein wenig Haargel und ein Anstecker in Schwarz-Rot-Gold tun keinem
weh. Wofür auch immer ihr gerade stehen wollt, ihr müsst es durch
euer Auftreten unterstreichen. Der persönliche Eindruck ist am Ende,
was haften bleibt. Wenn ihr lügt, dann nicht wie Schüler, die sich
gerade schwitzend eine Ausrede überlegen, sondern immer mit der
männlichen Überzeugung, das Richtige zu tun.
Gebt den
Problemen ein Gesicht!
Für unsere politische Kommunikation
ist es entscheidend, jedem gesellschaftlichen Missstand ein Gesicht
zu geben. Stets ist der Eindruck zu erwecken, dass alles besser
werden würde, wenn bestimmten Gruppen nur endlich das Handwerk
gelegt werden würde. Wir definieren diese Gruppen so, wie es uns
passt. Uns interessiert nicht, was Sozialdemokraten, Grüne,
Klimaaktivisten, Genderforscher, Veganer, Feministinnen und andere
Wichtigtuer wirklich umtreibt. Wir reden nicht über die Folgen der
Klimaerwärmung, sondern darüber, was für ein furchtbarer Mensch
Greta ist. Wir thematisieren nicht den Wasserverbrauch des
Fleischkonsums, sondern bespielen die Angst, dass man uns das Steak
wegnehmen will. Wir diskutieren nicht die russischen Kriegsziele in
der Ukraine, sondern schüren den Neid auf die zu dicken Autos
ukrainischer Flüchtlinge. Wir versuchen nicht, feministische
Theorien zu verstehen, sondern erklären sie zu Wahngebilden
gefährlicher Männerhasserinnen. Eine fairere Verteilung des
gesellschaftlichen Reichtums ist für uns kein legitimes Anliegen,
sondern die Fantasie dreckiger und von Neid zerfressener Kommunisten.
Wir müssen jeden Sachverhalt so
herunterbrechen, dass selbst der Dümmste das Gefühl hat, zu wissen,
worum es geht. Dieses Gefühl ist nicht einfach da, sondern muss mit
geduldiger Hingabe gepflanzt, genährt und aufgezogen werden durch
die ständige Wiederholung von Parolen und Zerrbildern. Haben wir die
schillernden Karikaturen erst einmal fest in den Köpfen verankert,
lassen sie sich kaum noch beseitigen, schon gar nicht durch die meist
viel prosaischeren Fakten. Das Schöne an Feindbildern ist, dass sie
uns in dem bestärken, was wir sind oder sein wollen. Ist es nicht
schön, ständig daran erinnert zu werden, in einer immer
verrückteren Welt zu den wenigen anständigen, rechtschaffenden und
normalen Menschen zu gehören? Bei uns ist für jeden etwas dabei:
Wir sind die Beschützer der deutschen Kernfamilie, Streiter gegen
die Islamisierung, die Stimme Ostdeutschlands, vom Mainstream
missverstandene Friedensfreunde, unerschrockene Aufklärer jüdischer
Machenschaften und die größten Freunde Israels. Wir geben dem
leeren Leben unserer Wähler Spannung, Drama und Sinn. Jedenfalls
etwas, dass sie ohne uns nicht empfinden würden.
Seid ungreifbar!
Der immergrüne
Nazi-Vorwurf ist ärgerlich. Doch hat es uns bisher geschadet? Kein
bisschen. Es macht nichts, wenn man euch als Nazis diffamiert.
Versucht, euch deshalb nicht persönlich beleidigt zu fühlen. Wir
sind alles und nichts. Natürlich sind wir eine Nazi-Partei und
natürlich sind es nicht. Die einen wählen uns, weil sie überzeugt
sind, dass wir keine Nazis sind und für normale Verhältnisse
einstehen. Für andere sind wir gerade deshalb interessant, weil wir
unzählige völkische Signale senden, die mit etwas politischen
Verstand schwer misszuverstehen sind. Beide Wählergruppen gehören
zu uns und wir müssen beide bedienen. Diese Spannung ist nicht
aufzulösen, sondern auszuhalten. Unseren Wählern müsst ihr den
Eindruck vermitteln, dass wir die Fremden aus dem Land schaffen
werden. Ob es sich dabei um Millionen oder nur um ein paar Kriminelle
handelt, entscheiden wir nicht endgültig. Wir lassen diese Dinge
bewusst im Vagen. Wenn Parteimitglieder einander widersprechen,
schlagen wir uns nicht auf eine Seite, sondern bestehen darauf, dass
es sich um Einzelmeinungen handelt. Wenn es sich anbietet, verweist
ihr einfach auf unser Wahlprogramm und zuckt mit den Schultern.
Natürlich wird auch für uns irgendwann der Tag kommen, an dem wir
Farbe bekennen müssen. Doch noch ist es nicht so weit und es gilt:
Alles ist möglich.
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