Dienstag, 7. Juli 2026

Wie wir unser Land retten: Handlungsempfehlungen für Parteimitglieder




Wie wir unser Land retten: Handlungsempfehlungen für Parteimitglieder

Wir verstehen, dass die folgenden Handlungsempfehlungen nicht allen Parteimitgliedern gefallen werden. Manche mögen auf den ersten Blick unappetitlich und vielleicht sogar unmoralisch erscheinen. Aber was nützt Anstand, wenn er nur dazu führt, sich klein und bedeutungslos zu machen? Wir sehen ja, was mit Parteien geschieht, die sich moralische Fesseln anlegen: Sie verschwinden in der Bedeutungslosigkeit! Auch in der Politik gilt, dass jeder schauen muss, wo er bleibt. Angesichts der Aufgaben, die vor uns liegen, können wir uns kein schlechtes Gewissen leisten. Stellt euch ein Kalb vor, das genau weiß, was es erwartet, und sich trotzdem ans Messer seines Schlächters schmiegt und ihn mit feuchten Augen anschaut. Meint ihr, so ein Kalb hätte Gnade verdient?

Gebt euch volksnah!

Wir sind die Partei des Volkes. Es hilft nichts: Wir müssen überall präsent sein. Was glaubt ihr denn, wozu wir all diese Volksfeste in jedem zweiten Kaff veranstalten? Zeigt euch, trinkt Bier, esst Currywürste (wichtig: nicht vegan) mit ihnen und klatscht zur Musik in die Hände. Gebt den Menschen das Gefühl, für sie da zu sein und ihre Probleme ernst zu nehmen. Hört den Leuten zu, unabhängig davon, was sie euch sagen. Widersprecht ihnen nicht. Sagt nicht: Das können wir nicht umsetzen. Gebt ihnen niemals das Gefühl, dass etwas, was sie umtreibt, unrealistisch oder irrsinnig ist. Idioten lieben es, sich äußern zu dürfen, ohne direkt Kritik zu erfahren. Ihr wisst, dass wir
sehr viele Idioten brauchen werden, um zu siegen!

Wie wir wissen, ist die Parteibindung im Osten besonders gering. Nirgendwo sonst werden Fehlschläge bei der nächsten Wahl so hart abgestraft wie bei uns. Daher müssen wir mehr als eine gewöhnliche Partei sein, nämlich ein zweites Zuhause (für immer mehr sogar das erste). Einem Fußballverein bleibt man als Fan treu, auch wenn die Mannschaft ständig verliert. Man geigt dem gegnerischen Fan die Meinung und fühlt sich persönlich beleidigt, wenn jemand etwas gegen die eigenen Farben sagt. Vielerorts gilt schon heute, dass wir nicht nur Fans, sondern richtige Ultras herangezogen haben, die sich unsere Fahne ans Fenster hängen und unsere Losungen fleißig nachbeten. Wir sind auf einem guten Weg.

Lasst euch nicht auf sachliche Diskussionen ein!

Grundsätzlich lassen wir uns nicht auf echte Sachdiskussionen ein. Das mag manche vielleicht überraschen, ist aber absolut entscheidend. Wir überzeugen niemanden, weil wir jede Nachkommastelle irgendeiner Statistik auswendig herbeten können, sondern weil wir dieses ganze Blabla nicht nötig haben. Sprecht lieber von Framing, um euch unliebsame Fragen effektiv vom Hals zu halten. Unsere Wähler sind verrückt nach diesem Wort und fühlen sich direkt 20 IQ-Punkte schlauer, wenn sie es irgendwo hören. Die guten alten Propaganda-, Hass- und Hetzvorwürfe sind weniger schick, tun ihren Job aber nach wie vor. Ihr müsst nie befürchten, nicht genug zu wissen. Zu diskutieren, ist an sich schon der Fehler. Es ist einerlei, was Altparteien, Systemmedien, sogenannte Experten, Behörden, Gerichte und NGOs verbreiten. Entscheidend ist nicht, was gesagt wird, sondern von wem es kommt. Werft Politikern vor, gekauft und nur Marionetten zu sein! Zerrt jeden biografischen Schmutzkrümel ans Licht, um ihren Ruf zu ruinieren! Der Verfassungsschutz? Nur ein Mittel, um unseren unaufhaltsamen Aufstieg zu stoppen! Antifaschisten demonstrieren und argumentieren messerscharf gegen uns? Macht sie lächerlich mit KI-Bildern! Lacht über ihre Frisuren! Unterstellt ihnen, keinen Schulabschluss zu haben und niemals gearbeitet zu haben (wichtig: so etwas nicht erst recherchieren). Wenn ihr unsere Gegner erfolgreich in den Dreck gezogen habt, wird es niemanden mehr interessieren, was sie von sich geben. Es bringt uns nichts, mit sympathischem Gesicht auf irgendwelchen Bühnen zu hocken und uns argumentativ auseinandernehmen zu lassen. Inszeniert euch lieber als Opfer von Hetzjagden, um euren Wählern das Gefühl zu geben, Teil von etwas Gefährlichem und Verbotenem zu sein! Das lieben sie und kostet uns praktisch nichts.

Übertreibt maßlos!

Die wichtigste Währung unserer Zeit ist Aufmerksamkeit. Eine abwägende, um Ausgleich bemühte Darstellung wird gnadenlos untergehen. Aber wir können es uns nicht erlauben, nicht gehört zu werden. Darum gilt: Die von euch kritisierte Regierung ist nicht einfach schlecht, sondern die schlechteste, dümmste und korrupteste aller Zeiten! Macht es zum Skandal, dass der Kanzler nicht schon längst zurückgetreten ist! Fordert Neuwahlen! Flutet das Netz mit Petitionen! Erzeugt das dringende Gefühl, dass sich alles
sofort ändern muss, um unser Land noch zu retten! Ist die Wirtschaft schwach, reicht es nicht, im besorgten Ton darüber zu reden. Malt die düstersten Bilder an die Wand, die ihr euch nur vorstellen könnt! Unter dem kompletten Zusammenbruch und der Deindustrialisierung des Wirtschaftsstandorts Deutschland solltet ihr es niemals machen.

Egal, ob ihr euch auf Überfremdung, Islamisierung, Globalisierung, linke Meinungsdiktatur, Ausländerkriminalität, Konjunkturflaute, Sozialabgaben- und Steuerlast, Inflation oder Kriegsängste spezialisieren wollt: Ihr habt zahllose Möglichkeiten, die ohnehin schon nervösen Nerven der Menschen in noch größere Unruhe zu versetzen und für euch arbeiten zu lassen. Zaubert einen bunten Karneval der Angst in die Hirne der Menschen! Wer Angst hat, fühlt sich isoliert, einsam, unverstanden, verlassen, gedemütigt und ignoriert. Doch es ist ein langer Weg, bis jemand an diesem Punkt der völligen Verängstigung angelangt. Wir geben den Menschen die Hand und führen sie genau an diesen Punkt. Unsere tätige Mithilfe ist gefragt, um unsere Wähler so blödsinnig vor Angst und Wut zu machen, dass sie gar nicht mehr anders können, als uns für die einzig verbliebene Alternative zu halten. Auch wenn es allen schon aus den Ohren herauskommt: Wir müssen immer darauf verweisen, dass alle anderen Partien diese Bedrohungen und Probleme ignorieren (das ist gesetzt, bitte nicht recherchieren). Dass die Regierung falsch liegt, ist für uns nicht das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit ihrer Politik. Es ist die selbstverständliche Voraussetzung für all unser politisches Agieren. Das hat den Vorteil, dass ihr euch nie fragen müsst, wie ihr euch positionieren solltet. Die Frage der Schuld ist immer schon geklärt, sodass euch mehr Zeit bleibt, nach den passenden Angriffspunkten zu suchen.

Appelliert an das Schlechte im Menschen!

Der große Vorteil unserer Partei ist, dass sie niemandem auch nur das Geringste abverlangt. Wir appellieren nicht an Empathie, Verantwortungsgefühl, Reife, Solidarität, die Einhaltung des Grundgesetzes oder des Völkerrechts, christliche Nächstenliebe oder andere noble Konzepte. Wir sind das Gegenteil einer Verbotspartei. Bei uns kann jeder der kleingeistige, hasserfüllte, missgünstige und neidische Mensch sein, der er ist, ohne sich deshalb schlecht fühlen zu müssen. Die Regenbogenfahne bereitet jemandem Ekelgefühle? Das zeigt, dass er noch normal tickt! Eine freche Feministin sollte man am besten verprügeln? Interessante Auffassung, erzählt uns mehr! Der Führer war einer der größten Staatslenker seiner Zeit? Spannend! Sie ertragen es nicht, durch eine Straße zu gehen, wo nur Ausländer sind? Sie müssen es nicht ertragen. Sie dürfen hassen. Wir haben nichts dagegen, wenn die Bürger die Faust in der Tasche ballen, und es macht uns auch nichts aus, wenn sie sie ab und zu mal rausholen. Wird es mal zu toll, sprechen wir ein paar mahnende Worte, das schon – mit einem Augenzwinkern.

Natürlich gibt es auch glückliche Menschen, die es nicht als Befreiung empfinden, ihre ekelhaftesten Regungen endlich politisch ausleben zu dürfen. Wir sollten keine Zeit darauf verschwenden, sie für uns zu gewinnen. Sie brauchen uns nicht und wir brauchen keine Mitbürger, bei denen wir nur Irritation und instinktive Abscheu hervorrufen. Ignoriert diese Naivlinge einfach. Es gibt genug Fische, denen unsere Köder hervorragend schmecken. Wichtig ist nur, wer am Schluss lacht.


Versprecht das Blaue vom Himmel!

Uns ist klar, dass wir mit unserem Wahlprogramm nicht nur Begeisterung hervorrufen. Auch in unseren eigenen Reihen nicht. Es stimmt, dass wir unseren Wählern das Blaue vom Himmel versprechen. Wie sollen ausgewanderte Fachkräfte dazu gebracht werden, nach Sachsen-Anhalt zurückzukehren? Aus welcher Erde könnten die „besten Schulen der Welt“ angesichts eines dramatischen Lehrermangels auf einmal ploppen? Auch die Finanzierung der teuren Wohltaten für Familien und Betriebe steht in den Sternen. Natürlich. Seid nicht zu geknickt, wenn man euch vorwirft, nicht rechnen zu können. Denkt ihr, wir würden ganze Nächte an unseren Schreibtischen sitzen, um uns über solche Fragen Gedanken zu machen? Unsere Versprechungen haben einen anderen Sinn. Sie sollen zeigen, dass wir nur das Beste für unser Land im Sinn haben. Scheitert die Umsetzung, geben wir dem verrotteten politischen System und den Altparteien die Schuld daran. Dass wir unseren Anliegen nicht durchbekommen, wäre also kein Fehlschlag, ganz im Gegenteil. Die Folgebotschaft muss sein, dass sich in Sachsen-Anhalt nichts ändern kann, solange wir nicht auch auf Bundesebene die Macht in unseren Händen halten. Schlucken unsere Wähler diese Kröte, ist es im Grunde egal, was wir ihnen versprechen und halten. Macht euch keine Gedanken über Budgets und Zahlen. Überlegt euch lieber schon mal ein paar schlaue und kreative Gründe, wie wir unsere Gegner für unser Scheitern verantwortlich machen können.

Lügt und zeigt Haltung!

Was wahr ist, entscheiden bei uns nicht irgendwelche Experten, Professoren, Gerichte oder Behörden, sondern einzig und allein, was uns Stimmen bringt. Böse Zungen würden behaupten, wir wären verlogen. Nehmt euch diesen Vorwurf bitte nicht zu Herzen. Wir alle kommen aus einer Zeit, in der man sich schämte, als Lügner dazustehen. Unsere Stärke ist aber, dass wir als einzige verstanden haben, dass diese Zeit unwiederbringlich vorbei ist. Wäre es nicht idiotisch, nicht zu lügen, wenn uns die Lüge so unendlich viel weiter bringt, als es die Wahrheit je könnte? Es ist so, als würden wir ohne Regeln spielen, während die anderen peinlich genau darauf achten, bloß nichts falsch zu machen. Zittert nicht vor Faktenchecks oder kritischen Nachfragen. Macht euch lieber Gedanken darüber, wie ihr euch präsentiert. Haltet euch gerade, streckt die Brust raus, rasiert euch, kümmert euch um eure Zähne. Ein gut sitzender Anzug, ein wenig Haargel und ein Anstecker in Schwarz-Rot-Gold tun keinem weh. Wofür auch immer ihr gerade stehen wollt, ihr müsst es durch euer Auftreten unterstreichen. Der persönliche Eindruck ist am Ende, was haften bleibt. Wenn ihr lügt, dann nicht wie Schüler, die sich gerade schwitzend eine Ausrede überlegen, sondern immer mit der männlichen Überzeugung, das Richtige zu tun.

Gebt den Problemen ein Gesicht!

Für unsere politische Kommunikation ist es entscheidend, jedem gesellschaftlichen Missstand ein Gesicht zu geben. Stets ist der Eindruck zu erwecken, dass alles besser werden würde, wenn bestimmten Gruppen nur endlich das Handwerk gelegt werden würde. Wir definieren diese Gruppen so, wie es uns passt. Uns interessiert nicht, was Sozialdemokraten, Grüne, Klimaaktivisten, Genderforscher, Veganer, Feministinnen und andere Wichtigtuer wirklich umtreibt. Wir reden nicht über die Folgen der Klimaerwärmung, sondern darüber, was für ein furchtbarer Mensch Greta ist. Wir thematisieren nicht den Wasserverbrauch des Fleischkonsums, sondern bespielen die Angst, dass man uns das Steak wegnehmen will. Wir diskutieren nicht die russischen Kriegsziele in der Ukraine, sondern schüren den Neid auf die zu dicken Autos ukrainischer Flüchtlinge. Wir versuchen nicht, feministische Theorien zu verstehen, sondern erklären sie zu Wahngebilden gefährlicher Männerhasserinnen. Eine fairere Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums ist für uns kein legitimes Anliegen, sondern die Fantasie dreckiger und von Neid zerfressener Kommunisten.

Wir müssen jeden Sachverhalt so herunterbrechen, dass selbst der Dümmste das Gefühl hat, zu wissen, worum es geht. Dieses Gefühl ist nicht einfach da, sondern muss mit geduldiger Hingabe gepflanzt, genährt und aufgezogen werden durch die ständige Wiederholung von Parolen und Zerrbildern. Haben wir die schillernden Karikaturen erst einmal fest in den Köpfen verankert, lassen sie sich kaum noch beseitigen, schon gar nicht durch die meist viel prosaischeren Fakten. Das Schöne an Feindbildern ist, dass sie uns in dem bestärken, was wir sind oder sein wollen. Ist es nicht schön, ständig daran erinnert zu werden, in einer immer verrückteren Welt zu den wenigen anständigen, rechtschaffenden und normalen Menschen zu gehören? Bei uns ist für jeden etwas dabei: Wir sind die Beschützer der deutschen Kernfamilie, Streiter gegen die Islamisierung, die Stimme Ostdeutschlands, vom Mainstream missverstandene Friedensfreunde, unerschrockene Aufklärer jüdischer Machenschaften und die größten Freunde Israels. Wir geben dem leeren Leben unserer Wähler Spannung, Drama und Sinn. Jedenfalls etwas, dass sie ohne uns nicht empfinden würden.

Seid ungreifbar!

Der immergrüne Nazi-Vorwurf ist ärgerlich. Doch hat es uns bisher geschadet? Kein bisschen. Es macht nichts, wenn man euch als Nazis diffamiert. Versucht, euch deshalb nicht persönlich beleidigt zu fühlen. Wir sind alles und nichts. Natürlich sind wir eine Nazi-Partei und natürlich sind es nicht. Die einen wählen uns, weil sie überzeugt sind, dass wir keine Nazis sind und für normale Verhältnisse einstehen. Für andere sind wir gerade deshalb interessant, weil wir unzählige völkische Signale senden, die mit etwas politischen Verstand schwer misszuverstehen sind. Beide Wählergruppen gehören zu uns und wir müssen beide bedienen. Diese Spannung ist nicht aufzulösen, sondern auszuhalten. Unseren Wählern müsst ihr den Eindruck vermitteln, dass wir die Fremden aus dem Land schaffen werden. Ob es sich dabei um Millionen oder nur um ein paar Kriminelle handelt, entscheiden wir nicht endgültig. Wir lassen diese Dinge bewusst im Vagen. Wenn Parteimitglieder einander widersprechen, schlagen wir uns nicht auf eine Seite, sondern bestehen darauf, dass es sich um Einzelmeinungen handelt. Wenn es sich anbietet, verweist ihr einfach auf unser Wahlprogramm und zuckt mit den Schultern. Natürlich wird auch für uns irgendwann der Tag kommen, an dem wir Farbe bekennen müssen. Doch noch ist es nicht so weit und es gilt: Alles ist möglich.