Verglichen mit dem unendlichen Facettenreichtum des Lebens wirken alle Gedanken, die sich Menschen um dieses Leben machen, unfassbar hölzern und stumpfsinnig. Dabei ist es einerlei, auf welchem intellektuellen Niveau sie sich bewegen. Jeder Baum, in dessen Wipfel ein sanftes Rascheln hörbar ist, hat mehr Würde und Tiefe als die am eifrigsten beklatschten Einsichten. Nietzsches Konzept der Sklaven- und Herrenmoral? Eine simple Gegenüberstellung von zwei extrem zugespitzten Zerrbildern. Der dumme menschliche Geist liebt es, zwei Dinge miteinander in Beziehung zu setzen. Das bekommt er mit seinen dicklichen Wurstfingern hin, Glückwunsch. Aber wo sind sie, diese anbetungswürdigen Herrenmenschen? Und an welcher Ecke muss man sich umschauen, um die von Ressentiment durchseuchte Sklavenmoral zu finden? Die Wirklichkeit schafft es mit Leichtigkeit, sich nicht in derartige Dualismen pressen zu lassen. Philosophie beginnt erst da, wo das Denken aufhört, zugunsten einer Erklärung der Welt diese Welt zu vergewaltigen.